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Mut bei der Jobwahl: Warum Vorbilder für Mädchen entscheidend sind

13.05.2026 3 Minuten

Obwohl es heute mehr Programme denn je gibt, verlieren viele Mädchen bereits in jungen Jahren das Interesse an Mathematik, Technik und Naturwissenschaften. Was braucht es, damit sich Mädchen und junge Frauen aktiv für eine Karriere in MINT-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik) entscheiden? Stefanie Blaschke, Head of Group People Analytics bei UNIQA, setzt sich seit Jahren für mehr Sichtbarkeit von Frauen im MINT-Bereich ein – beruflich wie privat. Ein Interview über die Relevanz von Sichtbarkeit, wie frühe Prägungen wirken und was Familien, Schulen, Unternehmen – und jede einzelne Person – konkret tun können, um Mädchen und junge Frauen für technische Berufe zu stärken.

Wie erlebst du derzeit die Situation von Mädchen und jungen Frauen im MINT-Bereich? 

Stefanie: Positiv sehe ich, dass es inzwischen viele Programme und Initiativen gibt, die sich gezielt mit Mädchen und Frauen im MINT-Bereich beschäftigen. Gleichzeitig finde ich es schade, dass viele Mädchen bereits im Laufe der Volksschule Interesse oder Selbstvertrauen für MINT-Fächer verlieren - leider oft auch deshalb, weil Eltern und das engste Umfeld den Mädchen weniger zutrauen.  

Warum fühlen sich viele Mädchen bei technischen oder naturwissenschaftlichen Berufen unsicher? 

Stefanie: Aus meiner Sicht sind Rollenbilder und das soziale Umfeld entscheidend. Gerade in der Pubertät spielt Zugehörigkeit zur Peer Group eine große Rolle. Wenn andere Mädchen das Interesse an Mathe oder Technik verlieren, möchte man nicht als Außenseiterin übrigbleiben – selbst dann nicht, wenn das eigene Interesse eigentlich da ist.  

Welche Rolle spielen Schule, Eltern und Vorbilder? 

Stefanie: Den Einfluss von Vorbildern habe ich selbst lange unterschätzt. Erst mit meinen eigenen Kindern sehe ich, wie stark fehlende Vorbilder wirken. Was Kinder nicht sehen, können sie sich schwer vorstellen. Wenn Mädchen Frauen in technischen Berufen kaum in Büchern, Medien oder im Alltag begegnen, erscheinen diese Wege schnell unrealistisch. 

 

 

Welche Maßnahmen helfen, Mädchen für MINT zu begeistern? Und was ist dein persönlicher Beitrag? 


Stefanie: Grundsätzlich helfen frühe Berührungspunkte, Sichtbarkeit und positive Vorbilder. Persönlich engagiere ich mich bewusst als Role Model, etwa im Rahmen von TU Impact, und spreche offener über meinen beruflichen Weg und meine Arbeit im IT- und Datenumfeld.  

Meinen eigenen Kindern lese ich alle Kinderbücher umgekehrt gegendert vor, sprich wenn ich Vorlese, dann gibt es fast nur Pilotinnen und Ärztinnen. 


med uniqa

 

Welche Stärken bringen Mädchen im technischen Umfeld mit? 

Stefanie: Ich möchte das nicht auf „Mädchen per se“ reduzieren, um keine neuen Stereotype zu schaffen. Entscheidend ist Diversität insgesamt: Unterschiedliche Hintergründe, Perspektiven und Erfahrungen machen Teams stärker. 

Wie kann die Sichtbarkeit von Frauen in technischen Berufen erhöht werden? 

Stefanie: Es gibt viele gute Initiativen wie Women in AI, #thenewITgirls, SHEgoesDIGITAL und SHEgoesAI, aber Sichtbarkeit braucht auch bewusste Zeit und Entscheidung. Gerade im Alltag werden solche Themen schnell depriorisiert – das kenne ich auch von mir selbst. Umso wichtiger ist es, sich aktiv einzubringen und sichtbar zu bleiben. Oft zielen diese Initiativen auf eine bestimmte Zielgruppe oder Generation ab, bei TU.Impact wo ich 2026 das 2. Mal als Role Model dabei sein durfte, gibt es ein generationenübergreifendes Konzept, wo auch Schülerinnen angesprochen werden.  

Was würdest du einem unsicheren, technikinteressierten Mädchen raten? 

Stefanie: Unbedingt ausprobieren und dranbleiben. Der Austausch mit anderen Mädchen und Frauen hilft sehr. Und weil Technik extrem vielfältig ist, kann man sich viele Berufe am Anfang gar nicht konkret vorstellen.  

Wie können Unternehmen Frauen langfristig in technischen Rollen halten? 

Stefanie: Wichtig ist eine Kultur der Wertschätzung und bewusstes Wahrnehmen von Leistung, auch für jene, die nicht die lautesten im Raum sind. Zudem braucht es Male Allies, die Frauen aktiv fördern, ihnen Entwicklung zutrauen und sie nicht nur als verlässliche Arbeitskräfte sehen.  

Gab es eine Erfahrung, die dir das Potenzial von Mädchen besonders gezeigt hat? 

Stefanie: Nein, nicht unbedingt eine einzelne Situation, sondern viele Alltagsbeobachtungen auch im privaten Umfeld. Mein Micro Feminismus ist es, dass wir Mädchen zum Geburtstag Lego-Sets schenken. Oft ist es das erste Lego, das die Mädchen bekommen und in 99 % der Fälle finden sie es total cool und sind begeistert. 

 

  

Über Stefanie:

Stefanie ist Leiterin Group People Analytics bei UNIQA. Sie verbindet strategisches Denken mit moderner Analytics, AI und Technologie und treibt datengetriebene Entscheidungen im HR-Umfeld voran. Ihr Fokus liegt darauf, Transparenz zu schaffen und echten Mehrwert für die Organisation zu ermöglichen. Stefanie arbeitet eng mit internationalen Teams und Partnern zusammen, um innovative Ansätze greifbar und wirksam umzusetzen.

Stefanie Blascke